Nodalpunktadapter

Damit die Vorder- und Hintergrunddetails bei zwei Bildern, die zu einem Panorama(-teil) zusammengesetzt werden sollen, passend übereinstimmen muß die Kamera auf die richtige Art geschwenkt werden.

Dabei muss in erster Linie der zumeist so genannte Nodalpunkt beachtet werden. (Richtiger wäre "der Punkt ohne Parallaxe", der No-Parallax-Point, kurz NPP). Zumeist wird der Punkt aber Nodalpunkt genannt, deshalb bleibe ich hier bei diesem Begriff.
Wird nicht um diesen Nodalpunkt geschwenkt, so stimmen anschließend die relativen Lagen von Vordergrund- und Hintergrunddetails nicht überein, die weitere Verarbeitung der Bilder wird schwierig bis unmöglich.

Der Nodalpunkt
Sie können das einfach selbst ausprobieren.
Kneifen Sie ein Auge zu und verdecken Sie dann mit dem Daumen der ausgestreckten Hand ein in der Ferne liegendes Objekt.
Wenn Sie nun den Kopf drehen, wandert der Daumen vor dem Hintergrund, weil Sie nicht um den Nodalpunkt des Auges gedreht haben. Die Achse, um die die Drehung stattfand, also der Hals, liegt viel weiter hinten.

Zwei Bilder, bei denen nach einer Drehung die Vorder- und Hintergrundobjekte falsch zueinander liegen, kann man nicht oder nur unter Schwierigkeiten zu einem Panorama montieren.



Um dieses Problem zu verhindern, sollte die Drehachse durch den "Nodalpoint", die "optisch wirksame Mitte" einer Kamera (Kamera-Objektiv-Kombination) gehen. Dann bleiben bei einer Drehung die Vordergunddetails passgenau vor den jeweiligen Hintergrunddetails.

Damit das bei meinen Bildern klappt, habe ich mir einen Panoramakopf, oder besser: einen Nodalpunktadapter, gebaut.

Ohne Java lässt sich diese Animation leider nicht betrachten, bitte schalten Sie Java ein.
Der Nodalpunkt liegt auf der Dreahchse (rot).
Zum Bewegen in das Bild Klicken und ziehen



Ein wesentlich einfacheres Modell, das für wenig Geld im Baumarkt zu bekommen ist, können Sie hier sehen.

Egal, mit welcher Software Sie ihr Panorama später zusammenbauen, ob PTGui, Autopano, RealViz Stitcher, hugin, PTMac, oder..., ein guter Panoramakopf /Nodalpunktadapter erleichtert Ihnen die Arbeit.

Panorama-Workshop
Sollen Sie sich nicht darüber im klaren sein, wie Sie Ihre Panoramen fotografieren und zusammenbauen können, dann besuchen Sie doch eine meiner Schulungen oder Workshops zum Thema Kugelpanorama, die ich im Rahmen der Fotoschule-Ruhr durchführe.



Vor- und Nachteile
Solche NAs werden mittlerweile von verschiedenen Firmen angeboten. Ich habe trotzdem meinen eigenen Panoramakopf entworfen, da die mir bekannten trotz des zum Teil sehr hohen Preises gravierende Nachteile haben:
  • Die Einstellungen sind nicht richtig gegen unbeabsichtigtes Verstellen gesichert.
    Im Gegenteil, häufig wird sogar eine leichte Verstellbarkeit als positives Kriterium herausgestellt.
    Doch das ist praxisfremd, es macht nur dann Sinn, wenn man mit häufig wechselnden Kameras und/oder Brennweiten vom gleichen Nodalpunktadapter fotografiert.
    Wenn man stattdessen den gesamten Vorgang der Panoramaaufnahme so weit als möglich standardisiert, um mit möglichst wenig Nachbearbeitung immer zuverlässig zu guten Ergebnissen zu kommen, sollten alle Kmaera/Objektiv-bezogegenen Einstellungen am Panoramakopf "bombenfest" fixiert sein.
    Mein Nodalpunktadapter lässt sich aus diesem Grund zwar leicht und flexibel an die jeweilige Kamera anpassen, doch verzichte ich auf Rändelschrauben u.ä., eben damit man nicht aus Versehen etwas verstellt.
    Damit auch die Kameraneigung am Nodalpunktadapter fixiert ist, habe ich den NA-IV mit einer zusätzlichen Anschlagplatte versehen. Durch die flexiblen Aufbaumöglichkeiten (Abb.6) des Adapters lassen sich wohl die meisten Kameras damit ausrichten, unabhängig davon, ob der Anschlag besser vor oder hinter dem Kameragehäuse sitzt.
    Auch ungewöhnlich gebaute Kameras wie die Coolpix990 und Nachfolemodelle lassen sich so ausrichten.  
  • Mangelnde Flexibilität. Bei unflexiblen Adaptern muss man für jeden neuen Kameratyp erneut einen speziellen Adapter kaufen, da sich die Werte nicht individuell anpassen lassen.
    Ich habe bei meinem NA deshalb darauf Wert gelegt, dass die möglichen Einstellungen einen großen Bereich umfassen. Der Nodalpunkt darf in jeder Richtung zwischen 0 und 160 mm vor dem Stativgewinde der Kamera liegen. (Abb. 4 und Abb. 5)
    Damit sollte sich mein Adapter mit den meisten in Frage kommenden Kameras nutzen lassen.
     
  • Bei manchen Adaptern ragen Teile des NA unnötig weit nach vorn oder zur Seite über den Drehpunkt hinaus.
    Dadurch werden bei Aufnahmen mit Fisheye (einfachster Weg zu Kugelpanoramen) viel mehr Bildteile als wirklich nötig abgedeckt. Diese müssen hinterher zeitraubend und aufwändig retuschiert werden. Beim NA-IV ist der Bereich des Adapters, der vor der Drehachse liegt, soweit wie möglich reduziert.
     
  • Mit dem vorhergehenden Punkt eng verbunden ist das Problem einer unzureichenden Höhendistanz zwischen Stativbefestigung und Objektiv. Je tiefer die Kamera sitzt, desto größer wird die von der Stativbefestigung verdeckte Bodenfläche. (Abb. 6)
    Andererseits ist ein möglichst kompakter Adapter für den einfachen Transport wichtig. Der NA-IV verfügt deshalb über mehrere Basisschienen unterschiedlicher Länge und lässt sich somit weit an die individuellen Wünsche anpassen. (Abb.1 und Abb.3)
     
  • Zu hohes Gewicht. Mein Nodalpunktadapter bringt je nach individueller Nutzung gerade mal 380g auf die Waage.
     
  • Eingeschränkte Möglichkeiten der Befestigung verhindern bei einigen Adaptern das einfache Befestigen der Kamera auf die für das eigentliche Fotografieren unkomplizierteste Weise.
    Der NA-IV lässt sich, da er sowohl nach links als auch nach rechts aufgebaut werden kann, an die meisten Kameras problemlos anpassen.
    Ob dabei analoge oder digitale Spiegelreflexkameras oder digitale Sucherkameras wie z.B. die Coolpix 950 bis 4500 mit Fisheyevorsatz zum Einsatz kommen, spielt keine Rolle, der Adapter passt.
    Ich selber verwende ihn zum einen mit einer Nikon Coolpix 990, zum anderen mit einer Canon D60. Und ja, er ist auf jeden Fall stabil genug für eine D60/10D/20D oder ähnlich mit dem Sigma 8mm Fisheye oder ähnlichen Objketiven.
     
Um all diesen Problemen aus dem Wege zu gehen, habe ich meinen NA-IV entwickelt. Ich setze ihn zwar fast nur für Kugelpanoramen ein, aber für einreihige Kreispanoramen mit möglichst großem vertikalen Bildwinkel ist der Adapter ebenfalls bestens geeignet.

Befestigen und Drehen
Mit dem Nodalpunktadapter ist die Kombination Kamera/Objektiv nun richtig montiert für ein Panorama. Zum Drehen kann man den Adapter auf jeden beliebigen Stativkopf oder auch direkt auf dem Stativ befestigen. Ich verwende auch gerne Einbeinstative für meine Panoramen.
Leider sind die meisten Stativköpfe nicht gut für Panoramen geeignet. Man kann mit ihnen die Kamera für Einzelaufnahmen sehr gut ausrichten, aber leider gilt das nicht für die Drehachse, die bei Panoramen sehr wichtig ist.
Ich verwende deshalb den Nodalpunktadapter oft auf einem umgedrehten Kugelkopf. So kann ich die Drehachse auch bei schräg stehendem Stativ schnell richtig ausrichten.
(Infos dazu bei meinen Tipps auf der Website der Fotoschule Ruhr)


Abb.1
Der Nodalpunktadapter





unterschiedliche Befestigungsmöglichkeiten der Kameraplatte
Abb.2
Die Kameraplatte lässt sich auf unterschiedliche Arten befestigen und somit an unterschiedliche Kameratypen anpassen



Abb.3
Durch kürzere Schienen ist je nach Kamera ein kompakterer Aufbau möglich.










Nodalpunktadapter von der Seite
Abb.4
Ansicht von der Seite
Es ist ein Verschiebeweg von 160mm möglich. Der Nodalpunkt kann am vordersten Punkt auf der gleichen Höhe wie das Stativgewinde liegen, er kann aber auch um 160mm nach hinten verschoben sein.



Nodalpunktadapter von vorne
Abb.5
Ansicht von vorne
Abhängig von der Anbringung der Kameraplatte ist ein Verschiebeweg von 170mm möglich. Der Nodalpunkt kann von 0mm (wichtig beim Einsatz von Kameras wie der Coolpix 9xx und Nachfolgern mit Fisheyekonverter) bis hin zu 190mm betragen.



Der Einfluss der Befestigungshöhe
Abb. 6
Der Einfluss der Befestigungshöhe auf die Größe des von der Stativbefestigung verdeckten Bodenbereichs.